Patientenbrief

November 2007

STUDIE
Reha-Kliniken droht Pleite

Berlin - Ein Viertel aller Reha-Kliniken ist aktuell von der Insolvenz bedroht. Das schätzen die Autoren des neu erschienenen Reha Rating Reports.

Der vom RWI Essen herausgegebenen Studie zufolge steigt die Anzahl der von der Pleite bedrohten Einrichtungen bis 2020 auf 57 Prozent. Für den gleichen Zeitraum gehen die Analysten von einer Zunahme der Reha-Leistungen um 13 Prozent aus.

Rehabilitation: bisher weitgehend unbeachtet
In der Diskussion um eine Erneuerung des deutschen Gesundheitssystems blieb die Rehabilitation angesichts ihrer relativ geringen und zuletzt abnehmenden wirtschaftlichen Bedeutung bisher weitgehend unbeachtet. Derzeit gibt es etwa 1.270 Reha-Kliniken mit 175.000 Betten. Bis 2020 erwarten die Autoren des Reports allerdings eine Zunahme der stationären Reha-Fälle um fast 13 Prozent, von derzeit 1,82 auf 2,04 Millionen.

GKV-WSG verursacht mehr Reha-Leistungen
Ein wesentlicher Grund für den Anstieg sei die jüngste Gesundheitsreform: Das GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz (GKV-WSG) sieht unter anderem die Umwandlung aller medizinischen Reha-Leistungen in Pflichtleistungen und einen Rechtsanspruch auf geriatrische Rehabilitation vor. Auch Eltern-Kind-Kuren sind seit dem GKV-WSG eine Regelleistung der Gesetzlichen Krankenversicherung. Als weitere Gründe für den künftigen Anstieg von Reha-Leistungen nennt der Report die schrittweise Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre, die mögliche Umsetzung des Grundsatzes „Reha vor Pflege“, das Fallpauschalensystem im Akutbereich und der zunehmende Anteil älterer Menschen an der Bevölkerung. In der Studie wird jedoch auch auf Argumente verwiesen, die gegen den prognostizierten Trend zu mehr Reha sprechen. Dazu gehören: die knappen Ressourcen der Gesetzlichen Krankenversicherungen, eine stärkere Kosten-Nutzen-Orientierung bei Reha-Leistungen und der Grundsatz „ambulant vor stationär“. Einen übergeordneten und schwer einzuschätzenden Einflussfaktor für die zukünftige Situation im Reha-Bereich bilden politische Rahmenbedingungen, heißt es im Rating Report weiter.

Prognose für 2020: 57 Reha-Kliniken von Pleite bedroht
Die wirtschaftliche Lage der Reha-Kliniken wurde auf Basis einer Stichprobe von 165 Einrichtungen bzw. 84 Jahresabschlüssen eingeschätzt. Danach sind 26 Prozent der Reha-Kliniken von Insolvenz bedroht, 51 Prozent existieren ohne größere wirtschaftliche Probleme, der Rest liegt dazwischen. Besonders betroffen sind private Häuser. Die Lage sei, so die Autoren, deutlich schlechter als bei Pflegeheimen und Krankenhäusern. Geht man von steigenden Kosten und einem anhaltend hohem Preiswettbewerb aus, wird sich die Situation der Reha-Kliniken in den nächsten Jahren noch erheblich verschlechtern. Im Report wird davon ausgegangen, dass der Anteil der von Insolvenz betroffenen Kliniken bis 2020 auf 57 Prozent steigt.

Der „Reha Rating Report 2007: Die Reha vor der Marktbereinigung“ wird vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) Essen, dem Institute for Health Care Business GmbH und der ADMED GmbH herausgegeben.

Die Zusammenfassung des Reports im Internet: www.rwi-essen.de

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