Berlin - Die Deutsche Rheuma-Liga klärt auf: Die Patientenorganisation hat eine zweijährige Kampagne unter dem Motto „Arthrose? Wir helfen weiter“ gestartet.
„An Arthrosekranken wird derzeit viel zu viel herum gedoktert“, kritisiert Rotraut Schmale-Grede, Vizepräsidentin des Selbsthilfeverbandes, auf der Pressekonferenz anlässlich des Kampagnenstarts. Zwar lägen europäische und amerikanische Leitlinien zur Arthrosetherapie vor, diese fänden bisher allerdings bisher nur unzureichende Umsetzung im medizinischen Alltag, so Prof. Dr. Josef Zacher vom Helios-Klinikum Berlin-Buch. Der Mediziner erklärt dies unter anderem damit, dass die Versorgung der Krankheit das Budget des niedergelassenen Arztes belaste. Zudem bestehe ein erhebliches „IGeL-Potenzial“. IGeL steht für individuelle Gesundheitsleistungen, dabei handelt es sich um Diagnose- und Behandlungsmethoden, für welche die gesetzlichen Krankenkassen nicht aufkommen und die daher von den Patienten selbst bezahlt werden müssen.
Rheuma-Liga: Skepsis bei Nahrungsergänzungsmitteln
Die Rheuma-Liga und ihre Experten betrachten mit besonderer Skepsis die wachsende Zahl von Produkten aus der Sparte der Nahrungsergänzungsmittel. Arthrosekranke sind nach Aussage von Schmale-Grede wegen ihres Leidensdrucks und der geringen Therapiemöglichkeiten eine hoch umworbene Käuferschicht. Mit der aktuellen Kampagne soll den Betroffenen Anhaltspunkte gegeben werden, wie sie im großen Markt der kommerziellen Angebote die Spreu vom Weizen trennen. „Dabei kann beispielsweise die Patientenschulung sehr hilfreich sein“, so die Vertreterin der Selbsthilfeorganisation. Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie erarbeite derzeit ein speziell auf Arthroseerkrankte abgestimmtes Programm.
Keine vorbeugende Behandlung in Sicht
„Eine vorbeugende oder ursächliche Behandlung gibt es bis auf wenige Ausnahmen nicht“, betont Prof. Dr. Josef Zacher. Der Mediziner referiert auf der Pressekonferenz über Therapiemöglichkeiten. Schmerz und Funktionsstörungen würden anfangs durch Reduzierung der Gelenkbelastung sowie regelmäßige Krankengymnastik behandelt. Bei Aktivierung der Arthrosesymptome mit stärkeren, anhaltenden und dauerhaften Schmerzen setze man vor allem schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente ein, die auch die Gelenkfunktion verbesserten. Bezüglich Schmerzlinderung und Funktionsverbesserung sei die intraartikuläre (in einem oder in ein Gelenk) Therapie mit Cortison oder Hyaluronsäure „vergleichbar wirksam“, so Zacher. Der Klinikarzt weist ferner darauf hin, dass Patienten mit anhaltendem Funktionsverlust und erheblicher Beeinträchtigung durch Schmerzen durch ein künstliches Gelenk geholfen werden könne. Aber: „Bisher wurde noch für kein Therapieverfahren schlüssig nachgewiesen, dass es das Fortschreiten einer Arthrose aufhalten oder gar rückgängig machen kann.“
Zahlen und Fakten zu Arthrose
Fünf bis sechs Millionen Arthrosebetroffene leben in Deutschland, darunter viele hunderttausend Schwerstbetroffene. 340.000 Patienten entschieden sich 2006 nach Angaben der Rheuma-Liga für ein künstliches Knie- oder Hüftgelenk. Allein die Kosten für die ambulante Therapie bei Arthrose beziffern sich auf 7,5 Milliarden Euro pro Jahr (GKV, Stand 2002). Dr. Axel Reimann, Direktor der Deutschen Rentenversicherung Bund, berichtet auf der Veranstaltung von 60.000 stationären Leistungen zur medizinischen Rehabilitation bei Arthrose. „Das entspricht einem Viertel der Rehabilitationen aller Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems.“ Im vergangenen Jahr sprach die Deutsche Rentenversicherung 8.200 Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit aufgrund arthrotischer Krankheiten aus. Das sind 5,2 Prozent aller Erwerbsminderungsrenten.
Weitere Informationen unter www.rheuma-liga.de