Patientenbrief

November 2007

KRANKENHAUS BAROMETER
Droht eine Rationierung der Patientenversorgung?

Berlin - Eine Rationierung der Versorgung befürchtet die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG). Anlass dafür sind die Ergebnisse der Umfrage „Krankenhaus Barometer 2007“.

Von einer „alarmierenden Trendumkehr“ spricht DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum bei der Vorstellung der Befragung. Die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser sei extrem angespannt, ein Drittel der Krankenhäuser schreibe bereits Verluste. Die Kliniken mit ausgeglichenen Ergebnissen erreichten diese nur unter extremen Anstrengungen. „Nach Jahren intensiver Durchrationalisierung ist die Zitrone ausgequetscht. Die nächste Stufe führt in die Rationierung der Versorgung, die schon heute spürbar ist“, so Baum. Die Politik habe massive Kürzungen bei den Krankenhäusern mit den Einspargesetzen 2006 und der Sanierungsabgabe der Kliniken im Rahmen der Gesundheitsreform 2007 vorgenommen. Baum macht für die angespannte finanzielle Lage außerdem „dramatische“ Kostensteigerungen verantwortlich. Darunter subsumiert er unter anderem Mehrwertsteuererhöhung und Energiekostensteigerungen sowie deutliche Tariferhöhungen für Klinikärzte und Mehrkosten durch ein neues Arbeitszeitgesetz.
Dagegen wehrt sich die Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB). „Das Krankenhaus Barometer der Klinikarbeitgeber ist ein Dokument des eigenen Versagens“, so der Vorsitzende des Marburger Bundes, Dr. Frank Ulrich Montgomery. Die Klinikarbeitgeber hätten es schlicht und ergreifend versäumt, gesetzliche und tarifliche Möglichkeiten zum Wohl der Häuser und des Personals umzusetzen.

Ergebnisse des „Krankenhaus Barometer 2007”

1. Schlechte wirtschaftliche Lage
Dem Krankenhaus Barometer zufolge sind die Grenzen der finanziellen Belastbarkeit, nicht zuletzt für die kleineren Kliniken, erreicht. Im vergangenen Jahr 2006 schrieben circa 30 Prozent der Krankenhäuser Verluste. Für dieses Jahr erwarten die Krankenhäuser insgesamt eine Verschlechterung ihrer Jahresergebnisse. Nur noch 38 Prozent der Kliniken rechnen mit Überschüssen (2006: 55 Prozent).

2. Probleme mit neuen Untersuchungs- und Behandlungsmethoden
Medizinische Innovationen werden laut Umfrage nur langsam in das Fallpauschalensystem „eingepreist“. Die Finanzierung des medizinischen Fortschritts vor Ort erfolgt zunächst durch die Krankenhäuser selbst. Nur rund ein Viertel der Anträge von Kliniken führt am Ende auch zu einer Vereinbarung eines fallbezogenen Entgeltes oder Zusatzentgeltes für innovative Leistungen. Stichwort Fallpauschalen: Seit 2004 werden die Leistungen der Krankenhäuser nicht mehr tageweise abgerechnet, sondern pauschal je nach Krankheit – nur psychiatrische, psychosomatische und psychotherapeutische Kliniken und Krankenhäuser rechnen weiterhin Tagessätze ab. Die so genannten Fallpauschalen unterscheiden sich dabei nach Krankheitsarten und durchgeführter Behandlung.

3. Gut organisiertes Entlassungsmanagement
Die Krankenhäuser schreiben sich selbst ein gutes Zeugnis für ihr Versorgungs- und Entlassungsmanagement aus: Jedes zweite Krankenhaus verfügt über schriftlich fixierte Arbeitsanweisungen oder Behandlungspfade, heißt es im Barometer. Die Hälfte der Krankenhäuser hat speziell qualifizierte Fachkräfte, die ausschließlich oder schwerpunktmäßig für das Entlassungsmanagement bzw. die Patientenüberleitung zuständig sind (zum Beispiel Case-Manager, Fachkräfte für Pflegeüberleitung). Der Ärztliche Dienst, der Pflegedienst sowie der Sozialdienst sind vielfach in die Entlassungsplanung einbezogen. Die Kostenträger und nachsorgenden Leistungserbringer (z. B. Reha-Kliniken, ambulante und stationäre Pflegeinrichtungen) sind, so die befragten Krankenhäuser, weitgehend in die Entlassungsplanung eingebunden.

Zur Umfrage
Das Krankenhaus Barometer liefert seit dem Jahr 2000 umfangreiche Informationen zum aktuellen Krankenhausgeschehen. Die Umfrage 2007 beruht auf den Angaben von 304 Allgemeinkrankenhäusern zwischen April und Juni dieses Jahres. Die Ergebnisse sind repräsentativ für alle allgemeinen Krankenhäuser ab 50 Betten in Deutschland, die gemäß § 108 SGB V zur Krankenhausbehandlung zugelassen sind. Die gesamte Studie ist auf der Internetseite www.dkgev.de sowie www.dki.de verfügbar.

TOP