Patientenbrief

Mai 2007

STUDIE
Deutsches Pflegesystem erhält „mangelhaft“

Berlin - Im deutschen Pflegesystem herrschen eklatante Missstände. Zu diesem Ergebnis kommt die TNS Emnid-Studie zur „Pflegesituation in Deutschland“ im Auftrag der Marseille-Kliniken AG. Dazu sind erstmalig Betroffene und Angehörige von Pflegefällen sowie die Generation 50+ befragt worden – insgesamt bundesweit 1.056.

Laut der Emnid-Studie hat bereits jeder fünfte Deutsche in seinem familiären Umfeld einen Pflegefall. Die Angehörigen, die einen alten Menschen betreuen, fühlen sich von Politik und Gesellschaft im Stich gelassen: 65 Prozent der Befragten, die ein Familienmitglied pflegen, kritisieren die mangelhafte Unterstützung.

Wohnungen ungeeignet für den Pflegefall
Fast drei Viertel der Pflegefälle lebt in den eigenen vier Wänden. Doch nur für ein Drittel reichen die Leistungen der Pflegeversicherung aus, um die Wohnung seniorengerecht anzupassen oder umzubauen – obwohl den Bürgern pro Maßnahme 2.557 Euro von der Pflegeversicherung zustehen. Ein Drittel der Befragten gibt als Grund für eine Versorgung zu Hause Geldmangel an. Die Unterbringung in einer Senioreneinrichtung sei ihnen zu teuer.

Unzufriedenheit mit Qualität und Personal
Insgesamt ist die Generation 50+ mit der deutschen Altenpflege deutlich unzufrieden: 55 Prozent kritisieren die aktuelle Situation. Am kritischsten sehen die Befragten insbesondere die Qualität und Professionalität von Pflege. Dabei sind qualifiziertes Pflegepersonal, eine ganzheitliche Betreuungsleistung und eine hohe Pflegequalität die wichtigsten Kriterien für die Auswahl einer geeigneten Senioreneinrichtung. Gerade bei der Bewertung dieser drei Faktoren herrscht deutliche Unzufriedenheit. Lediglich 53 Prozent sind mit der Betreuung, 52 Prozent mit dem Ausbildungsstand des Personals und nur 46 Prozent der Befragten sind mit der Pflegequalität allgemein zufrieden. Vor allem die 50-Jährigen reagieren verunsichert auf eine mögliche Pflegebedürftigkeit. Sie sind eindeutig unzufriedener als die 70-Jährigen. Es zeigen sich klare regionale Unterschiede und ein starkes Süd-Nord-Gefälle bei der Zufriedenheit mit den Pflegeeinrichtungen. In Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein ist nur ein Drittel der Bürger zufrieden, während sich 54 Prozent der Ostdeutschen positiv äußerten.

Private Träger: Hohe Wirtschaftskompetenz
Den privaten Seniorenheimbetreibern trauen 50 Prozent der Bürger mehr Wirtschaftlichkeit zu als staatlichen und gemeinnützigen Trägern (30 Prozent). Bei der Betreuung werden die unterschiedlichen Unternehmen mit 40 Prozent Zufriedenheit nahezu gleich bewertet.

Schlechte Vorsorge für Pflegefall
Die Mehrheit der Generation 50+ lebt in Wohnungen, die für den Fall der Pflegebedürftigkeit
ungeeignet sind. Jeder Dritte hat sich darüber bislang keine Gedanken gemacht. Über 50 Prozent der Befragten sind im Pflegefall auf die finanzielle Unterstützung der Familie angewiesen. Ein Drittel müsste sogar Sozialhilfe in Anspruch nehmen. Nur jeder Fünfte hat eine private Pflegezusatzversicherung abgeschlossen. Trotzdem glaubt über die Hälfte der Befragten, gut für das Alter vorgesorgt zu haben. „Einzig plausibler Grund für dieses Wunschdenken: 43 Prozent der über 50-Jährigen fühlen sich über die Pflege in Deutschland immer noch ,schlecht‘ informiert“, so Klaus-Peter Schöppner, TNS Emnid-Geschäftsführer. Selbst ein Drittel der über 70-Jährigen hat sich noch nicht mit dem Thema Pflege auseinandergesetzt.

Das Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid hat bereits zum dritten Mal im Auftrag der Marseille-Kliniken AG eine Studie zum Thema „Alter und Pflege“ durchgeführt.

Pressemitteilung der Marseille-Kliniken AG vom 21.03.2007: „TNS Emnid-Studie zeigt Situation der Altenpflege - Deutsches Pflegesystem erhält Mangelhaft“
21.03.2007 PDF, 2 Seiten, 152KB
TNS Emnid, Medien- und Sozialforschung GmbH, im Auftrag der Marseille-Kliniken AG, Februar 2007: „Die Pflegesituation in Deutschland - Ergebnisse einer Repräsentativbefragung unter der Bevölkerung in Deutschland“
PDF, 35 Seiten, 1.1 MB
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