Patientenbrief

März 2007

UMFRAGE
Mehr Infektionen, zu geringe Impfraten

Berlin - Infektionskrankheiten sind in Deutschland auf dem Vormarsch. Doch Deutschland ist darauf nur unzureichend vorbereitet. Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle Umfrage zu „Impfungen und Impfverhalten“, die GfK HealthCare im Auftrag des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) durchgeführt hat.

Befragt wurden 50 führende Impfexperten aus Industrie und Wissenschaft. Die meisten der Befragten (80 Prozent) rechnen damit, dass es in Deutschland in den nächsten fünf Jahren zu einem Anstieg von Infektionskrankheiten kommen wird. Dies gilt insbesondere für HIV, die echte Virusgrippe (Influenza) und Tuberkulose. Aber auch an Masern und der durch Zecken übertragenen Hirnhautentzündung (FSME) werden nach Expertenschätzung immer mehr Menschen in Deutschland erkranken. Hauptfaktoren für diese Entwicklung seien vor allem Impfmüdigkeit, zunehmende Reisetätigkeit, Migration, klimatische Veränderungen, leichtsinniges Verhalten und die Entwicklung von Resistenzen bei den Erregern.

Kommt es zu einer Influenza-Pandemie?
Die Wahrscheinlichkeit, dass es in den nächsten fünf Jahren zu einer Influenza-Pandemie kommen wird, schätzen die Experten im Schnitt auf rund 30 Prozent ein. Nach ihrer Auffassung geht die Gefahr eher von Vogelgrippestämmen aus als von herkömmlichen Grippestämmen. Bei der Vorbereitung auf eine mögliche Pandemie sehen 82 Prozent der befragten Experten Verbesserungspotenzial und fordern hierzu zum Beispiel verstärkte Aufklärung, Katastrophenpläne, Bevorratung mit Impfstoffen sowie höhere Impfraten. Die Befragten wünschen sich vor allem, dass gegen Masern, Grippe und Hepatitis B verstärkt geimpft wird.

Informationsdefizite in der Bevölkerung
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat das Ziel formuliert, die Masern bis 2010 in Europa auszurotten. 94 Prozent der Experten glauben jedoch, dass es in Deutschland in den nächsten vier Jahren nicht gelingen wird, die Masern auszurotten. Das größte Hindernis zur Verbesserung der Impfraten sehen sie generell in Informationsdefiziten der Bevölkerung. Um die Impfraten in Deutschland zu erhöhen, setzen die Fachleute vor allem auf flächendeckende und bessere Aufklärung sowie eine bessere Fortbildung der Ärzte. Manche Experten befürworten sogar die Einführung einer Impfpflicht, zum Beispiel für die Aufnahme in Kinderkrippen, Vorschulen und Schulen. Auch wenn eine solche Impfpflicht vordergründig als geeignete Lösung zur Verbesserung der Impfraten erscheint überwiegen doch die damit verbundenen Nachteile:

  • - Eine Impfpflicht ist durch das Grundgesetz nicht abgedeckt
  • - Die notwendige Einrichtung von Impfregistern erfordert einen erheblichen finanziellen und organisatorischen Aufwand.
  • - Der Umgang mit persönlichen Daten der Versicherten, insbesondere Sicherheit und Nutzung ist problematisch
  • - Fehlende Maßnahmen zur Durchsetzung einer Impfpflicht
  • - Eine Impfpflicht widerspricht der Forderung aller Beteiligten im Gesundheitswesen nach größerer
  • - Selbstverantwortung und einem erweiterten Mitspracherecht der Versicherten

Einen vielversprechenden Weg zur Verbesserung der Impfraten ist Schleswig-Holstein gegangen. Dort legen die Eltern vor dem Eintritt in den Kindergarten eine ärztliche Bescheinigung über den Impfstatus ihres Kindes vor. Allein schon durch die notwendigen Überprüfung des Impfausweises beim Kinderarzt können Impflücken entdeckt und geschlossen werden.

Literaturhinweis: Fritz Beske, Ralf Dirks, Die aktive Schutzimpfung in Deutschland, Stand – Defizite – Möglichkeiten, Fritz Beske Institut für Gesundheits-System-Forschung Kiel (Hrsg.), 2003

Ergebnisse der VFA-Studie, vorgestellt am 12. Dezember 2006: „Experten-Umfrage: Impfungen und Impfverhalten“
12.12.2006 PDF, 14 Seiten, 152KB

Verschiedene Anlagen (Präsentation, Hintergrundtexte, Grafik, etc.) zur Pressemitteilung des VFA vom 12. Dezember 2006 unter www.vfa.de

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