Patientenbrief

März 2007

STUDIE
Viele Kliniken sind künftig von Pleite bedroht

Berlin - Die Bettenzahl in deutschen Krankenhäusern ist rückläufig. Wie aus einer Antwort der Bundesregierung hervorgeht, wurden von 1993 bis 2005 rund 17 Prozent der Betten abgebaut. Eine Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI Essen) ergab unterdessen, dass mehr als 40 Prozent der Kliniken bis zum Jahr 2020 eine Pleite droht – wenn die Häuser nicht gegensteuern.

Zwar habe sich die Finanzsituation des deutschen Krankenhaussektors in den vergangenen Jahren leicht verbessert. Die aktuelle wirtschaftliche Lage der Kliniken sei jedoch weiterhin recht heterogen. Wie der „Krankenhaus Rating Report 2007“ zeigt, befinden sich zur Zeit 66 Prozent der untersuchten Häuser finanziell im sicheren „grünen“, 15 Prozent im „gelben“ und 19 Prozent im gefährdeten „roten“ Bereich. Die Studienautoren prophezeien dem Krankenhaussektor viele Änderungen in den nächsten Jahren: Beispielsweise werde die Anzahl ambulanter Operationen voraussichtlich zunehmen, die Verweildauer der Patienten sinken und die öffentliche Förderung zurückgehen. Diese und weitere Faktoren führen laut Studie dazu, dass ohne gegensteuernde Maßnahmen bis zum Jahr 2020 nur noch rund 50 Prozent der Krankenhäuser im „grünen“ und 44 Prozent im „roten“ Bereich lägen und damit einer erhöhten Insolvenzgefahr ausgesetzt wären.

Mehr Marktwirtschaft bei den Kliniken
Verhindert werden könnten die Pleiten dem Report zufolge zum einen durch weitere Kostensenkungen, zum anderen durch mehr marktwirtschaftliche Elemente im Krankenhaussektor. Das würde allerdings dazu führen, dass bis zum Jahr 2020 jedes fünfte Krankenhaus schließen muss. Von einer solchen Marktbereinigung würden voraussichtlich überproportional viele große, öffentlich-rechtliche und akademische Lehrkrankenhäuser betroffen sein. Insgesamt werde sich die Trägerstruktur, auch durch Fusionen und Privatisierungen, zusätzlich in Richtung privater Trägerschaft verschieben, heißt es. Die Studienautoren glauben, dass eine Marktbereinigung die Situation des Krankenhausbereichs verbessere. Die verbleibenden rentablen Kliniken würden besser ausgelastet, die Überkapazitäten an Betten abgebaut.

Trotz Bettenabbau weiterhin Überkapazitäten
Eine Überkapazität in der stationären Versorgung hat auch die Bundesregierung ausgemacht. Das schreibt sie in einer Antwort (Bundestags-Drucksache 16/3991) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen (Bundestags-Drucksache 16/3918). Demnach wurden allerdings von 1993 bis 2005 bereits rund 105.000 Betten abgebaut. Das entspricht einem Anteil von 16,7 Prozent. In Zukunft sei eine „weitere starke Reduzierung der Bettenkapazitäten zu erwarten, insbesondere auch durch eine weitere Verkürzung der Verweildauer und zunehmend ambulante Behandlungsmöglichkeiten.“

Neues Vergütungssystem verändert Leistungsspektrum
Die Verkürzung der durchschnittlichen Verweildauer sei ein Ziel der 2003 begonnenen Einführung der diagnosebezogenen Fallpauschalen (DRG) gewesen, schreibt die Regierung. Das neue Vergütungssystem sieht eine pauschalierte Abrechnung pro Behandlungsfall vor. Zuvor erhielt das Krankenhaus für jeden Patienten bestimmte Tagessätze. Diese Vergütungsform soll bis 2009 vollständig von den DRGs abgelöst sein. Der Regierung zufolge seien in Folge der mit dem DRGSystem einhergehenden Leistungstransparenz „in erheblichem Umfang vollstationäre Fälle aus den Krankenhausbudgets ausgegliedert und dem ambulanten Bereich zugeordnet“ worden.

Den „Krankenhaus Rating Report 2007“ hat das RWI Essen, die Healthcare Unternehmensberatung ADMED GmbH und das Institute for Health Care Business GmbH (HCB) erstellt. Hierzu wurden die Jahresabschlüsse von knapp 600 deutschen Krankenhäusern ausgewertet.

Krankenhaus Rating Report 2007 – Die Spreu trennt sich vom Weizen, Executive Summary, Herausgeber: Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung, Essen
PDF, 20 Seiten, 122KB
Bundestagsdrucksache 16/3991 vom 2. Januar 2007: Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Drucksache 16/3918 : „Finanzierung, Versorgungsstrukturen und Versorgungsqualität im Krankenhausbereich nach Einführung der diagnose-bezogenen Fallpauschalen (DRG)“
02.01.2007 PDF, 16 Seiten, 131KB
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