Berlin - Eine immer größere Zahl von Patienten mit z.T. fortgeschrittenen Krebserkrankungen wird von niedergelassenen Fachärzten behandelt. Pro Quartal betreuen die onkologischen Schwerpunktpraxen rund 250.000 Patienten. Die Praxen haben 2005 rund acht Prozent mehr Krebspatienten versorgt als 2004. Das geht aus dem jetzt vorgelegten zweiten Qualitätsbericht hervor.
Als besonders positiv hebt PD Dr. Stephan Schmitz, Vorsitzender des Berufsverbandes der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen (BNHO), hervor, dass die Behandlung interdisziplinär erfolgt – in Abstimmung mit Hausarzt, anderen Fachärzten, Krankenhaus und Tumorzentren. „Fast 60 Prozent aller Praxen haben mittlerweile mindestens einen schriftlichen Kooperationsvertrag mit einem Krankenhaus“, stellt Schmitz fest. Jede dritte Praxis ist Partner in der Integrierten Versorgung. Für ihn ein positives Signal in Richtung Vernetzung der Versorgung.
Konkurrenz durch neuen 116b?
Erhebliche Sorgen im Zusammenhang mit Krankenhäusern bereitet ihm und seinen Kollegen allerdings das Vorhaben aus der Gesundheitsreform, den § 116b SGB V, anders zu fassen. Er gestattet Krankenhäusern, ihre Patienten auch außerhalb der Vor- oder Nachsorge ambulant zu behandeln, sofern es sich um hoch spezialisierte Leistungen, seltene Erkrankungen oder Krankheiten mit besonderen Krankheitsverläufen handelt. Bisher gab es kaum diesbezügliche Verträge zwischen Leistungserbringern und Krankenkassen. Das Procedere soll nun dadurch leichter werden, dass Krankenhäuser in einem einmaligen Akt durch die Landesplanung ermächtigt werden, ambulant zu behandeln. Die Schwerpunktpraxen fürchten nun, dass sich diese Regelung zu ihrem Nachteil auswirkt. „Wir haben nichts gegen einen Wettbewerb, aber dann müssen für alle klare Qualitätsanforderungen gelten“, unterstreicht Schmitz.
Nase vorn in Sachen Qualität
Die Schwerpunktpraxen haben in dieser Hinsicht durchaus etwas vorzuweisen, wie der Bericht, der der einzige seiner Art im niedergelassenen Bereich ist, belegt. Die Behandlung in den Praxen unterliegt strengen Qualitätsanforderungen durch die Kassenärztlichen Vereinigungen. 40 Prozent aller Praxen haben bereits ein Qualitätsmanagement-Verfahren (QM) etabliert, 30 Prozent wurden bereits nach einem anerkannten Zertifizierungssystem extern überprüft und bewertet. Dabei zeige sich, so Schmitz, dass die niedergelassenen Onkologen wesentlich weiter sind, als Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses dies für die Vertragsärzte insgesamt vorsehen. Ihnen wird eine Frist bis 2010 eingeräumt, um ein QM-Verfahren in den Praxisablauf zu integrieren. Mehr als 90 Prozent der onkologischen Praxen beteiligen sich an wissenschaftlichen Studien. In den Anstrengungen, die Qualität weiter zu verbessern, will der BNHO nicht nachlassen. So läuft gegenwärtig in 180 Praxen eine Befragung, bei der 15.000 Patienten einbezogen werden sollen. Mit den Ergebnissen zur patientenbezogenen Qualität wird in einigen Wochen gerechnet.
Schwerpunktpraxen: Daten und Fakten
151 onkologische Schwerpunktpraxen in Deutschland haben sich am Qualitätsbericht 2006 beteiligt; insgesamt gibt es bundesweit 324. In den einbezogenen Praxen wurden im 3. Quartal 2005 132.974 Patienten behandelt. Im Durchschnitt erhöhte sich die Patientenzahl pro Praxis gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal um 9 Prozent. Insgesamt erkranken in Deutschland jährlich mehr als 430.000 Menschen an Krebs. Nach den stationären Operationen kann die häufig notwendige medikamentöse Tumortherapie heutzutage in 90 Prozent der Fälle ambulant erfolgen.