Berlin - Im Sommer vergangenen Jahres wurde er bereits angekündigt, jetzt fängt er seine konkrete Arbeit an: der Modellverbund Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD). 22 regionale Stellen helfen ab sofort Patienten und Versicherten bei Gesundheitsfragen und rechtlichen Problemen.
Zu speziellen Themen gibt es auch überregionale Service-Angebote: Dafür steht beispielsweise der Arzneimittelberatungsdienst am Institut für Klinische Pharmakologie der TU Dresden zur Verfügung. Ein zahnärztliches Kompetenzzentrum mit Sitz in Köln und Heidelberg hilft bei allen Fragen zur Zahngesundheit weiter, die den Beratungsumfang der regionalen Stellen sprengen. Ergänzend zur Hilfe vor Ort können Ratsuchende auch eine bundesweit einheitliche Hotline anrufen. Über Sitz und Öffnungszeiten der regionalen Stellen informiert die UPD auf ihrer Webseite.
Beratung „kostenfrei, neutral und unabhängig“
„Die Beratung erfolgt kostenfrei, neutral und unabhängig“, betont Astrid Burkhardt, Geschäftsführerin des Modellverbunds, auf der Eröffnungs-Pressekonferenz. Die Neutralität betont auch Krankenkassenvertreter Erwin Dehlinger (AOK Bundesverband) ausdrücklich, nicht ohne Grund. Die gesetzlichen Krankenkassen fördern – dazu verpflichtet sie Paragraph 65 b des Sozialgesetzbuches V – das Projekt bis Ende 2010 mit 25 Millionen Euro. Die UPD ist ein Zusammenschluss von drei in der Patientenberatung erfahrenen Partnern: dem Sozialverband VdK Deutschland, der Verbraucherzentrale Bundesverband und dem Verbund unabhängige Patientenberatung.
Kühn-Mengel: politisches Ziel in greifbarer Nähe
Vorschusslorbeeren bekommt die Einrichtung von Helga Kühn-Mengel. Die Patientenbeauftragte der Bundesregierung sagt: „Das wichtige politische Ziel einer unabhängigen Patientenberatung und -information ist mit dem Modellverbund in greifbare Nähe gerückt.“ Die UPD sei, so Kühn- Mengel weiter, keine „zwangsläufige“ Konkurrenz zum bestehenden Beratungsangebot, sondern eine wertvolle und wichtige Ergänzung. Geschäftsführerin Burkhardt kündigt Kooperationen unter anderem mit Selbsthilfeorganisationen und Leistungserbringern (z.B. Apotheker, Ärzte) an.
Erste Kritiker melden sich zu Wort
Eine Zusammenarbeit der UPD mit anderen Akteuren des Gesundheitswesens könnte die Akzeptanz der Organisation stärken, denn die ersten Kritiker haben sich bereits zu Wort gemeldet. Der Marburger Bund, der Verband der angestellten und beamteten Ärzte, nennt den Modellverbund eine „Scheinberatung für Patienten“, da unabhängiger ärztlicher Sachverstand in der UPD nicht vorgesehen sei. Die Deutsche Gesellschaft für Versicherte und Patienten hinterfragt die Neutralität der Beratung. Die Förderung durch die Krankenkassen ließe keinesfalls erwarten, dass „Patienten dazu aufgefordert werden, sich zum Beispiel gegen die vielfachen widerrechtlichen Leistungsverweigerungen durch ihre Krankenkassen zu wehren.“
Die gesetzliche Grundlage der Patientenberatung
In Paragraph 65 b Sozialgesetzbuch V heißt es: „Die Spitzenverbände der Krankenkassen fördern mit jährlich insgesamt 5.113.000 Euro je Kalenderjahr im Rahmen von Modellvorhaben gemeinsam und einheitlich Einrichtungen zur Verbraucher- oder Patientenberatung, die sich gesundheitliche Information, Beratung oder Aufklärung von Versicherten zum Ziel gesetzt haben und die von den Spitzenverbänden als förderungsfähig anerkannt wurden. Die Förderung einer Einrichtung zur Verbraucher- oder Patientenberatung setzt deren Nachweis über ihre Neutralität und Unabhängigkeit voraus.“ Mitte 2005 endete das erste Modellvorhaben nach vier Jahren. Daran beteiligt waren 30 Patientenberatungseinrichtungen. Einer Evaluation des Projekts zufolge, durchgeführt von der Prognos AG, gab es Schwierigkeiten bei Qualitätssicherung, Informationsmanagement und Öffentlichkeitsarbeit.
Mehr Informationen auf den Internetseiten der Unabhängigen Patientenberatung unter: www.unabhaengige-patientenberatung.de