Berlin/Münster - Ein Kompetenzzentrum der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) soll niedergelassene Ärzte stärker für Fehlervermeidungsstrategien und Patientensicherheit sensibilisieren. Die KVWL will bei diesem Thema auch die Zusammenarbeit mit Patientenorganisationen suchen.
Rund 90 Prozent der täglichen Behandlungsfälle werden in den Praxen versorgt, aber nur ein Drittel aller Fehler passierten dort, heißt es bei der KVWL. Dennoch: Jeder Fehler ist einer zuviel. Außerdem könnten Missgeschicke wie vertauschte Blut- oder Biopsieproben, bislang vor allem ein Problem in Kliniken, auch im niedergelassenen Bereich zum Thema werden, sagt Andreas Kintrup, Leiter Qualitätssicherung, -management und -entwicklung bei der KV. „Zum Beispiel bei größeren Praxiszusammenschlüssen oder in Praxisfilialen“. Kooperationsformen dieser Art sind politisch gewollt und werden in Zukunft gegenüber der klassischen Einzelpraxis deutlich an Gewicht gewinnen.
Praktische Handlungsempfehlungen für Niedergelassene
Auf die Fehlerpotenziale in diesen größeren Einheiten will sich die KV systematisch vorbereiten. In ein paar Wochen nimmt ein spezielles Kompetenzzentrum seine Arbeit auf. Es soll praktische Handlungsempfehlungen entwickeln, um die Behandlungssicherheit zu erhöhen. Diese könnten beispielsweise durch Qualitätszirkel und durch QM-Systeme verbreitet werden, sagt Andreas Kintrup. Von den Empfehlungen sollen nicht nur die westfälischen Ärzte, sondern Niedergelassene aus dem ganzen Bundesgebiet profitieren.
Kooperation mit Patientenorganisationen vorgesehen
Das Zentrum kümmert sich nicht nur um Klinikschwierigkeiten, die künftig auch großen Praxen ins Haus stehen können, sondern auch um typische Probleme aus dem niedergelassenen Bereich. Welche das sind, will die Einrichtung zusammen mit anderen KVen, Berufsverbänden und Patientenorganisationen ermitteln. Auch mit dem Aktionsbündnis Patientensicherheit werden die Westfalen kooperieren. Wichtige Erkenntnisse über den Verbesserungsbedarf in deutschen Arztpraxen dürfte auch die Statistik der ärztlichen Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen enthalten, die vor einigen Wochen vorgestellt wurde. Der Auswertung zufolge ist die häufigste Fehlerquelle in Praxen die Diagnostik, und zwar Bild gebende Verfahren sowie Anamnese/Untersuchung.
KBV ernennt Kompetenzzentren
Das Kompetenzzentrum Patientensicherheit der KV Westfalen-Lippe wird in Abstimmung mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) eingerichtet. Diese hatte angekündigt, Aufgaben innerhalb der 17 Kassenärztlichen Vereinigungen in Zentren zu bündeln. Zwei sind jetzt vergeben: Neben der KV Westfalen-Lippe wird sich die KV Saarland um Schlafapnoe kümmern. Labor und Qualitätssicherung bei kurativer Mammografie werden aller Voraussicht nach an die KV Bayern gehen. Die KVen stehen bei den Kompetenzzentren untereinander im Wettbewerb. Die beste auf einem Gebiet soll den Zuschlag erhalten.