Patientenbrief

Januar 2007

UMFRAGE
Chronisch Kranke bei Zusatzversicherungen außen vor

Berlin - Chronisch Kranke aus Selbsthilfegruppen haben kaum eine Chance, eine private Zusatzkrankenversicherung abzuschließen. Das ergab eine Umfrage der Augsburger Selbsthilfekontaktstelle unter 23 Regionalgruppen mit 369 Mitgliedern.

Von 75 eingereichten Anträgen zur privaten Kranken- bzw. Pflegezusatzversicherung wurden 56 abgelehnt – das entspricht einer Quote von knapp 75 Prozent. Das Fazit der Augsburger Kontaktstelle: Einerseits wird von den Bürgern erwartet sich zusätzlich zu versichern, andererseits sind die Möglichkeiten dazu bereits bei geringfügigen gesundheitlichen Einschränkungen nicht gegeben. So sei einem Antragsteller wegen vier fehlender Zähne der Abschluss einer Pflegezusatzversicherung verweigert worden. „Wir fordern deshalb Versicherungsanbieter auf, gerade für chronisch kranke Menschen in der Selbsthilfe Möglichkeiten zu schaffen, sich zusätzlich versichern zu können“, fordert die Selbsthilfekontaktstelle. Ein weiterer Teil der Umfrage beschäftigt sich mit der privaten Vollversicherung von Selbsthilfeaktiven. Hintergrund war die Weigerung der privaten Krankenversicherung (PKV), Selbsthilfegruppen finanziell zu unterstützen. Die gesetzliche Krankenversicherung ist dazu verpflichtet. Die PKV argumentiert, dass ihre Mitglieder nur in geringer Zahl Selbsthilfegruppen besuchen. Die Umfrage widerlegt dies. Befragt wurden – wie im ersten Teil – 23 regionale Gruppen sowie zusätzlich eine in Augsburg ansässige bundesweit tätige Selbsthilfeorganisation mit 822 Mitgliedern. Von ihnen sind 90 Privatpatienten (10,95 Prozent). Bei den 369 Mitgliedern der regionalen Gruppen beträgt der Anteil der Privatversicherten sogar 14,63 Prozent. Beide Quoten liegen höher als der Bundesdurchschnitt mit rund 10 Prozent Privatpatienten. Die Augsburger Selbsthilfekontaktstelle sieht daher die PKV in der Pflicht, sich künftig an der Selbsthilfeförderung zu beteiligen.

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