Patientenbrief

Dezember 2007

STUDIE
Was bringt Prävention wirklich?

Berlin - Das geplante Präventionsgesetz will die Vorsorge stärken. Doch welche Vorbeugeprogramme haben überhaupt einen belegten Nutzen?

Die Präventionsforschung steckt offenbar noch in den Kinderschuhen. Das legt eine Studie von Gesundheitsökonomen der Universität Köln nahe, welche Evaluation und Qualitätssicherung von Vorbeugeprogrammen analysierte. Das Ergebnis der Untersuchung fasst Prof. Karl Lauterbach wie folgt zusammen: "Es ist zum einen wenig darüber bekannt, was überhaupt wirkt und zum anderen wie man das, was wirkt, umgesetzt bekommt." Ein ernüchterndes Resultat, auch die Forscher hatten von der Untersuchung mehr erwartet. Man habe leider nur weiche Kriterien für gute Prävention finden können, so Privatdozent Dr. Markus Lüngen, der ebenfalls an der Untersuchung mitgearbeitet hat. Für das Projekt analysierten die Kölner Gesundheitsökonomen 120 Studien, die wiederum Präventionsprogramme aus 13 Staaten bewerteten. Dabei konzentrierten sich die Forscher auf vier Themen: Bewegungsprogramme im Betrieb und speziell für Mädchen und Frauen, Depressionsprävention in der Schule, gute Ernährung für Schüler sowie Raucherentwöhnung bei Schwangeren.

Kombinierte Programme machen Sinn
Auch wenn keine allgemeingültigen Erfolgsfaktoren gefunden wurden, so zeigen die Ergebnisse zumindest gewisse Trends: So sind beispielsweise Plakate in Betrieben, die Mitarbeiter dazu animieren sollen, die Treppe anstelle des Aufzugs zu benutzen, nicht effektiv. Bei Jugendlichen kann eine Zunahme der Bewegung nur mit kombinierten Angeboten, welche Schule und/oder Eltern einbeziehen, erreicht werden. Rein edukative Programme bringen wenig. Auch die Änderung des Ernährungsverhaltens konnte von isolierten Programmen kaum nachgewiesen werden, lediglich die Kombination mit verstärkter Bewegung unter Einbeziehung der Familien zeigt vermehrt Effektivität. Die Änderung des Rauchverhaltens bei Schwangeren wird wiederum am ehesten erreicht, wenn als Autoritäts- oder Fachpersonen wahrgenommene Gruppen im Programm beteiligt werden, etwa Ärzte oder Hebammen.

Die Situation in Deutschland
Hierzulande gibt es extrem viele Präventionsprogramme, aber nur extrem wenige Initiativen haben eine gute Evaluation, sagen die Forscher. Die Konsequenz: "Die allermeisten Ressourcen werden derzeit ohne Nachweis von qualitätsgesicherten Effekten ausgegeben", so Lauterbach. Seiner Schätzung nach beträgt der Forschungsrückstand der Prävention gegenüber der kurativen Medizin etwa 25 Jahre. Der SPD-Abgeordnete fordert daher, dass das geplante Präventionsgesetz nicht nur Gesundheitsprogramme unterstützen, sondern einen Teil des Geldes für die Förderung von "Vorbeuge-Studien" ausgeben soll. Nach Meinung des Gesundheitsexperten müsse das Gesetz zwingend festlegen, dass "jedes einzelne Programm auf seine Wirksamkeit hin untersucht wird". Denn oft genug mache man etwas in guter Absicht, was plausibel erscheine, aber nichts bringe.

Die Ergebnisse der Studie, die von der Hans-Böckler-Stiftung gefördert wurde, können im Internet nachgelesen werden: www.boeckler.de (PDF)

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