Berlin - Ende Januar dieses Jahres ist die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) an den Start gegangen. Geschäftsführerin Astrid Burkhardt zieht jetzt ein erstes, positives Fazit.
"Die bisherigen Erfahrungen zeigen, wie hoch der Bedarf an unabhängiger Patientenberatung in Deutschland und wie wichtig das Angebot der UPD ist", sagt Burkhardt. Auch der saarländische Gesundheitsminister Josef Hecken betont die Bedeutung unabhängiger Patientenberatung. "Da nicht jeder eine medizinische Grundausbildung durchlaufen hat, ist es notwendig, dass in der Beratungsstellenlandschaft eine Einrichtung vorgehalten wird, die neutral und unabhängig von Leistungsanbietern die Nutzer über die Qualität und Effizienz der medizinischen Angebote aufklärt", so der Minister auf der ersten verbundweiten Trägerkonferenz in Saarbrücken.
Immer wieder Fragen zur Gesundheitsreform
Über 35.000 Anfragen von Rat Suchenden hat die UPD in den ersten neun Monaten beantwortet. Geschäftsführerin Burkhardt nennt einige Schwerpunkte, zu denen die Berater immer wieder Auskunft geben: Zur Gesundheitsreform, zum Wechsel der Krankenkasse, zu Nebenwirkungen von Medikamenten, zu Heil- und Kostenplänen des Zahnarztes oder zu IGeL-Leistungen. Astrid Burkhardt hofft, dass in Zukunft noch mehr Patienten das Angebot nutzen. Die Unabhängige Patientenberatung ist jedoch nicht unumstritten: Als sie an den Start ging, sprach der Marburger Bund von einer "Scheinberatung für Patienten". Unabhängiger ärztlicher Sachverstand sei in der UPD nicht vorgesehen, so der Verband der angestellten und beamteten Ärzte. Die Neutralität der Beratung hinterfragte die Deutsche Gesellschaft für Versicherte und Patienten. Die Förderung durch die Krankenkassen ließe keinesfalls erwarten, dass "Patienten dazu aufgefordert werden, sich zum Beispiel gegen die vielfachen widerrechtlichen Leistungsverweigerungen durch ihre Krankenkassen zu wehren."
Zwischenbericht: Kritik bleibt unerwähnt
Auf diese Kritik geht die UPD in ihrem Zwischenbericht nicht ein, sondern berichtet stattdessen ausführlich über die Themen der Beratung. Die überwiegende Anzahl der Anfragen betrifft die Leistungen der Kostenträger, in der Regel der gesetzlichen, aber auch der privaten Krankenversicherungen, sowie Aspekte des medizinischen Bereichs. Die Berater informieren über Therapien sowie alternative Heilmethoden und helfen weiter, wenn Patienten Behandlungsfehler vermuten. Bei rechtlichen Themen geht es unter anderem um Patientenverfügungen sowie Einsicht in Patientenunterlagen. Reine Informationsanfragen betreffen in der Regel die Suche nach Adressen, Produkten oder Verbraucherinformationen.
Bundesweite persönliche und telefonische Beratung
Da mit 22 Beratungsstellen bundesweit nur ein Bruchteil der Bevölkerung vor Ort erreicht werden kann, liegt ein besonderer Schwerpunkt auf der telefonischen Beratung. "Wir legen großen Wert darauf, dass unser bundesweites Beratungstelefon kein ausgelagertes 'Call-Center' darstellt, sondern ein ergänzendes und gleichwertiges Angebot zur persönlichen Beratung", sagt UPD-Chefin Burkhardt.
Was ist die UPD?
Durch den Gesetzgeber wurden die gesetzlichen Krankenkassen verpflichtet, im Rahmen von Modellvorhaben Einrichtungen zur Verbraucher- und Patientenberatung zu fördern. Ende Januar 2007 konnte die "Unabhängige Patientenberatung Deutschland – UPD" offiziell ihre Arbeit aufnehmen. Die UPD versteht sich in erster Linie als Wegweiser und Lotse durch das Gesundheitssystem. Die Mitarbeiter – unter anderem Ärzte, Juristen, Psychologen und Sozialarbeiter – stehen für Informationen rund um das Thema Gesundheit und zu speziellen patientenrelevanten Themen zur Verfügung. Des Weiteren gibt es Hilfe zu gesundheitsrechtlichen und psychosozialen Fragen. Die persönliche Beratung in den regionalen Beratungsstellen ist kostenfrei. Ergänzend wird ein bundesweites Infotelefon angeboten. Kontaktdaten und eine Übersicht der regionalen Beratungsstellen unter www.upd-online.de.