Berlin/München - Die Zusatzkosten, die Mangelernährung für die Kranken- und Pflegeversicherung jährlich verursacht, belaufen sich auf 8,9 Milliarden Euro. Ein gezieltes Ernährungsmanagement könnte beträchtliche Kosten sparen und die Lebensqualität der Betroffenen verbessern. Zu diesen Ergebnissen kommt eine gesundheitsökonomische Studie der Beratungsgesellschaft CEPTON, München.
Die meisten Kosten durch Mangelernährung fallen mit rund 5 Milliarden Euro im Krankenhaus an. In der Pflege sind es der Untersuchung zufolge 2,6 Milliarden Euro, in der ambulanten ärztlichen Versorgung 1,3 Milliarden Euro. Bis zum Jahr 2020 werden sich diese Kosten unter anderem aufgrund der demografischen Entwicklung auf etwa 11 Milliarden Euro pro Jahr erhöhen, prognostiziert die Studie.
Trotz der großen wirtschaftlichen Bedeutung spiele Mangelernährung bislang in der öffentlichen Debatte nur eine sehr untergeordnete Rolle. „Dabei“, konstatiert Klaus W. Uedelhofen, Mitautor der Studie, „gibt es medizinische Bereiche, in denen Mangelernährung eher die Regel als die Ausnahme ist.“ Vergleichsweise häufig tritt Mangelernährung bei geriatrischen und onkologischen Patienten sowie in der Abdominalchirurgie auf. Das erschreckende Ergebnis der Studie: Lediglich ein Drittel aller mangelernährten Patienten wird mit gesonderten klinischen Ernährungskonzepten behandelt.
Die Einsparpotenziale eines konsequenten Ernährungsmanagements seien beachtlich. So haben Prof. Dr. Arved Weimann vom Städtischen Klinikum St. Georg Leipzig zufolge „mehrere randomisierte klinische Studien zur Gabe von Trinknahrung im Bereich der Viszeralchirurgie eine Senkung der Verweildauer, eine Reduktion der Komplikationsrate und so insgesamt niedrigere Behandlungskosten nachgewiesen“. Uedelhofen plädiert daher für eine Wiederbesinnung auf eine ganzheitliche Medizin, in der die Ernährungssituation als Teil der Anamnese sowie im Qualitätsmanagement fest etabliert wird.
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