Patientenbrief

April 2007

GESUNDHEITSBERICHTERSTATTUNG
Neues Heft zu Gebärmuttererkrankungen

Berlin - Gynäkologische Operationen sind die häufigsten operativen Eingriffe bei Frauen. Das neue Heft der Gesundheitsberichterstattung (GBE) beschäftigt sich mit Erkrankungen des weiblichen Genitaltraktes. Auf einer Veranstaltung von Glaxo Smith Kline in Berlin wurden kürzlich Präventionsansätze von Gebärmutterhalskrebs diskutiert.

Frauen ab dem 20. Lebensjahr wird im Rahmen der gesetzlichen Krebsfrüherkennungs-Untersuchungen der so genannte Pap-Test angeboten. Dadurch lassen sich auffällige Zellen entdecken, die sich zu Krebs entwickeln können. Mit der neu entwickelten Impfung gegen Humane Papillomviren besteht nun die Möglichkeit, die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs in vielen Fällen zu verhindern. Der Impfstoff immunisiert gegen die Typen 16 und 18 des Humanen Papillomvirus (HPV), die für rund 70 Prozent aller Zervixkarzinome in Europa verantwortlich sind. Prof. Karl Ulrich Petry vom Klinikum Stadt Wolfsburg verwies in dem Zusammenhang darauf, dass schon die Vermeidung der Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs von großer Bedeutung sei. Diese Vorstufen stellten bereits eine hohe Krankheitslast für die betroffenen Frauen dar. Deshalb plädiert Prof. Petry dafür, die beiden Präventionsansätze zu kombinieren: Die Impfung und Früherkennung gemeinsam bieten eine effektive Prävention vor Gebärmutterhalskrebs glaubt der Mediziner. Prof. Rolf Rosenbrock, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, fordert darüber hinaus, die Teilnahmerate am Krebsfrüherkennungsprogramm durch verbesserten Zugang und Organisation zu erhöhen. .

Impfungen – wie erreicht man die Zielgruppe?
Soweit die Theorie. In der Praxis besteht eine große Herausforderung darin, die für die Impfungen in Frage kommenden Personen zu erreichen. Staatssekretärin a.D. Gudrun Schaich-Walch (SPD) befürwortet daher eine aufsuchende Informationsarbeit – und sieht dabei insbesondere den öffentlichen Gesundheitsdienst und Schulen als geeignete Multiplikatoren. Auch Hilde Schulte von der Frauenselbsthilfe nach Krebs mahnt bessere Aufklärung an: „Wenig Informationen, Kommunikation und Transparenz – damit sind Patienten im deutschen Gesundheitssystem häufig konfrontiert“, kritisiert sie.

G-BA entscheidet über Aufnahme in den Leistungskatalog
Ob und wem die gesetzlichen Krankenkassen künftig eine Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs bezahlen müssen, darüber wird demnächst der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) entscheiden. Eine wichtige Grundlage für seinen Beschluss ist die Ende März veröffentlichte Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut, eine Impfung für alle Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren einzuführen. Dem Reformgesetz (GKV-Wettbewerbstärkungsgesetz) zufolge hat der G-BA bis zum 30. Juni Zeit für seine Entscheidung. „Eine kurze Frist“, wie der G-BA-Vorsitzende Dr. Rainer Hess betont. Der G-BA müsse bei seiner Entscheidung auch Wirtschaftlichkeitsaspekte berücksichtigen, erläutert er. Grundsätzlich hält der G-BA-Chef eine Kosten-Nutzen-Analyse durch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) für erforderlich. Bis Ende Juni werde das Institut dazu allerdings nicht in der Lage sein. Für die Gesundheitspolitikerin Schaich-Walch ist ein sturer Kosten-Ansatz ohnehin wenig sinnvoll: „Wir müssen einfach darüber diskutieren, dass wir Angst und Leid verhindern wollen – und das bei einer Gruppe von ganz jungen Menschen.“

Zum Weiterlesen: das GBE-Heft Gebärmuttererkrankungen
An Gebärmutterhalskrebs erkranken in Deutschland jedes Jahr 6.500 Frauen, Eierstockkrebs tritt jährlich 9.900-mal auf, die bösartigen Tumoren des Gebärmutterkörpers 11.350-mal pro Jahr. Das 37. GBE-Heft enthält auf knapp 40 Seiten Kapitel zu den einzelnen Krankheiten und Beschwerdebildern, zu Verbreitung und Risikofaktoren, Prävention, Versorgung, Ressourcen, Krankheitskosten und Perspektiven.
Das Robert Koch-Institut führt die Gesundheitsberichterstattung des Bundes in Kooperation mit dem Statistischen Bundesamt durch und veröffentlicht regelmäßig Themenhefte und Berichte.
Das GBE-Heft „Gebärmutterkrankungen“ kann kostenlos bestellt werden (E-Mail:gbe@rki.de, Fax: 030-18754-3513) oder über den nachfolgenden Link im Internet heruntergeladen werden.

Auszug aus dem Epidemiologischen Bulletin, Mitteilung der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut vom 23. März 2007: „Impfung gegen humane Papillomaviren (HPV) für Mädchen von 12 bis 17 Jahren – Empfehlung und Begründung“
23.05.2007 PDF, 7 Seiten, 120KB
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