Patientensicherheit: Der Medikationsplan ist da

Am 17. September war Internationaler Tag der Patientensicherheit. Das Thema in diesem Jahr: Medikationssicherheit – und damit eines, das in einer alternden Gesellschaft täglich an Bedeutung gewinnt.

Diese Nachricht wird kaum jemanden überraschen: Die Zahl der regelmäßig eingenommenen Medikamente steigt mit dem Alter an. Aber: Jeder Zweite im Alter zwischen 70 und 79 Jahren nimmt bereits fünf oder mehr Arzneimittel regelmäßig ein. Dabei ist die Polymedikation nicht per se ein Problem, wenn die Arzneimittel aufeinander abgestimmt sind und entsprechend gut vertragen werden. Aber so mancher Wirkstoff interagiert nicht gut mit einem anderen – oder mit einem Lebensmittel – und so kann es zu unerwünschten Arzneimittelwirkungen kommen. Werden diese dann als eigenständige Symptome gedeutet, kann das weitere Verordnungen nach sich ziehen – und das Polymedikationskarussell dreht sich immer schneller. In einer optimalen Welt geht ein Patient mit seinen Beschwerden zu einem Arzt und holt sich seine Mittel aus einer Apotheke. Dann wissen alle Beteiligten, was verschrieben wurde und können Interaktionen im Rahmen der Verordnungspraxis optimieren. Die echte Welt aber sieht so aus: Hier ein Rezept vom Hausarzt, dort eines von einem Facharzt (oder mehrere?), dazu noch ein wenig „Selbstverschreibung“ in Form von rezeptfreien oder freiverkäuflichen Medikamenten – fertig ist ein Cocktail aus Medikamenten, die zwar jedes für sich gut und wichtig sind, aber in der Kombination das Risiko von Arzneimittelinteraktionen in sich tragen. Plus und Plus gibt in der Medizin eben nicht immer Plus: Jede fünfte Krankenhauseinweisung in Deutschland ist auf eine unerwünschte Arzneimittelwirkung zurückzuführen. Über die Hälfte davon, so meinen Experten, wäre vermeidbar.

 Neu: Das Recht auf einen Medikationsplan

Kein Wunder also, dass das Thema Medikationssicherheit in den vergangenen Jahren regelrecht in Mode gekommen ist. Ab Oktober hat in Deutschland jeder, der drei oder mehr Medikamente einnimmt, das Recht auf einen verständlichen Medikationsplan durch den behandelnden Arzt. Das hat die Bundesregierung im so genannten E-Health-Gesetz geregelt. Der Medikationsplan listet die Zahl der Medikamente auf – noch allerdings nur in Papierform. Ab 2018 soll er elektronisch vorliegen. In Thüringen und Sachsen ist man da schon ein bisschen weiter – dort läuft seit 2012 ein Pilotprojekt. In der Arzneimittelinitiative mit Namen ARMIN haben sich die Apothekerverbände, Kassenärztliche Vereinigungen und die AOK Plus zusammengeschlossen; ihr Ziel: eine sichere Einnahme der Medikamente und damit eine verbesserte Therapietreue von chronisch kranken Patienten durch ein gemeinsames Medikationsmanagement von Apotheker und Arzt. Dabei ist jetzt schon klar: Ein erfolgreiches Management der Medikation erfordert nicht nur Patienten, die das selbstbewusst einfordern, sondern auch Heilberufler, die bereit sind, den Medikationsplan in ihren Praxisalltag zu integrieren. Denn richtig angewendet hat die Idee etwas von einer eierlegenden Wollmilchsau. Es verbessert nicht nur die Versorgung von Patienten, sondern spart auch noch Geld – etwa, weil weniger Arztbesuche, Krankenhauseinweisungen oder Kosten für Medikamente anfallen.

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