Zeckensaison: Es krabbelt wieder

Sobald die Temperaturen mindestens fünf Grad Celsius erreicht haben, geht sie los: die Zeckensaison. Dann werden die kleinen Spinnentiere wieder aktiv – und suchen nach einem Wirt. Doch Zecken sind nicht nur einfach lästig. Durch einen Stich können auch Bakterien, Viren und Einzeller auf den Menschen übertragen werden. Besonders gefährlich sind die Erreger der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), denn eine ursächliche Therapie gibt es nicht. Eine Impfung kann jedoch vor einer Erkrankung – und den schwerwiegenden Folgen – schützen.

Milde Temperaturen und ausreichend Feuchtigkeit: Das sind die idealen Lebensbedingungen für Zecken. Inzwischen sind die kleinen Parasiten fast ganzjährig aktiv. Sie lauern nicht nur im Wald, sondern auch im hohen Gras, in Büschen und im Unterholz von Gärten und Parks. Ein Stich erfolgt oft unbemerkt – meist an dünnen, gut durchbluteten Hautregionen, wie den Kniekehlen, dem Intimbereich und den Achselhöhlen.

Dabei kann es passieren, dass Krankheitserreger von der Zecke auf den Menschen übergehen – so etwa die Bakterien einer Borreliose. Sie befinden sich im Darm des Tieres und werden erst einige Stunden nach dem Einstich übertragen. Daher ist es sinnvoll, den Körper regelmäßig nach den kleinen Krabblern abzusuchen: Durch das frühzeitige und vorsichtige Entfernen des Parasiten kann eine Borreliose, eine der häufigsten von Zecken übertragenen Krankheiten, vermieden werden. Sollte der „Wirt“ dennoch erkranken, hilft eine rechtzeitige Antibiotika-Therapie.

FSME-Impfung: der „zuverlässigste Schutz“

Anders ist das bei FSME: Die Viren gelangen unmittelbar nach Einstich über die Speicheldrüsen der Zecke in den Menschen. Hier können nur konsequent durchgeführte Präventionsmaßnahmen wie die Nutzung insektenabweisender Mittel und das Tragen langer Kleidung helfen. Zecken, die oberflächlich auf der Haut herumkrabbeln, sollten schnellstmöglich entfernt werden. Derartige Maßnahmen sind jedoch selten ausreichend. Den zuverlässigsten Schutz bietet laut Robert Koch-Institut (RKI) daher die FSME-Impfung. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt sie „für Personen, die in FSME-Risikogebieten zeckenexponiert sind.“ Das gilt sowohl für das Inland als auch für Reisen in ausländische Endemiegebiete. Wichtig ist die Impfung auch deshalb, weil eine FSME im Gegensatz zu einer Borreliose nicht ursächlich therapiert werden kann. Das heißt: Lediglich die Symptome sind behandelbar.

Zecken können Krankheitserreger übertragen.
(© Marlon Bönisch – iStock)

Wurde ein Mensch durch einen Zeckenstich mit FSME-Viren infiziert, dauert es bis zu einem Krankheitsausbruch etwa sieben bis vierzehn Tage. Eine FSME kann in zwei Phasen verlaufen „und beginnt mit unspezifischen, grippeähnlichen Beschwerden“, erklärt das RKI. Dazu gehören Symptome wie Kopf- und Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit und leichtes Fieber.

In einer möglichen zweiten Phase greift das Virus das zentrale Nervensystem an. Eine Hirnhautentzündung (Meningitis), Entzündung des Rücken- oder Knochenmarks (Myelitis) oder Entzündung des Gehirns (Enzephalitis) ist möglich. Ein Befall des zentralen Nervensystems ist gefährlich. Im schlimmsten Fall kann er bei etwa ein bis zwei von 100 Infizierten zum Tode führen. „Ein hoher Anteil der Infektionen verläuft jedoch asymptomatisch oder die zweite Krankheitsphase bleibt aus. Schätzungen gehen von 70 bis 95 % aus“, so das RKI.

146 „FSME-Risikogebiete“ in Deutschland

„In Deutschland besteht […] ein Risiko für eine FSME-Infektion vor allem in Bayern und Baden-Württemberg, in Südhessen und im südöstlichen Thüringen.“ Aber auch in Mittelhessen, im Saarland, in Rheinland-Pfalz und in Sachsen gibt es einzelne besonders gefährdete Regionen, wie das RKI schreibt. Insgesamt hat das Institut 146 Kreise als „FSME-Risikogebiete“ definiert (Stand: April 2017). Doch tendenziell werden es mit der Zeit eher mehr. Die Rede ist von einer „insgesamt langsame[n] Zunahme der FSME-Risikogebiete in den letzten Jahren“.

Angesichts dessen bedauert das RKI: „Die Impfquoten in den Risikogebieten sind […] stagnierend oder sogar rückläufig und daher […] unzureichend hoch, um eine starke Zunahme der FSME-Fallzahlen, wie z. B. in den Jahren 2011, 2013 und 2016 beobachtet, zu verhindern.“ In den genannten Jahren sei das „Zusammenspiel von ökologisch-klimatischen Faktoren“ vermutlich besonders günstig für die Ausbreitung der Zecken und Viren gewesen. So wurden 2016 insgesamt 348 FSME-Erkrankungen übermittelt. Dies entsprach einer Zunahme von 59 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Übrigens: Neueste Daten des RKI sprechen von 481 Fällen in 2017 – so viele wie seit über zehn Jahren nicht mehr.

FSME: Eine Impfung kann schützen. (© GSK)

Unzureichende Impfquoten

„Ein hoher Anteil der auftretenden FSME-Erkrankungen könnte durch eine Steigerung der Impfquoten insbesondere in Risikogebieten mit besonders hoher FSME-Inzidenz verhindert werden“, so das RKI. In Baden-Württemberg lag die Impfquote bei den Schulanfängern 2016 jedoch nur bei 21,6 Prozent; in Thüringen bei gerade einmal 18,6 Prozent.

Besser macht das Österreich, das ebenfalls als Risikogebiet gilt: Nach dem Schuleintrittsalter, d. h. bei den über Sechsjährigen, liegt die Durchimpfungsrate unseres Nachbarlandes bei über 80 Prozent. Zu verdanken ist das u. a. einer im Jahr 1981 gestarteten landesweiten FSME-Impfkampagne in Zusammenarbeit mit Ärzte- und Apothekerschaft. „Seitdem findet die Impfaktion jährlich statt“, erklärt der österreichische Verein zur Förderung der Impfaufklärung (VFI). Der Erfolg sei beachtlich: „Wurden im Jahr 1979 noch 677 hospitalisierte FSME-Fälle aufgezeichnet, konnte die Anzahl der Neuinfektionen über die Jahre hinweg auf deutlich unter 100 Fälle pro Jahr reduziert werden.“ Allerdings: 2017 gab es wieder einen Anstieg. 116 Erkrankungen wurden gemeldet. Der VFI hatte schon Anfang des vergangenen Jahres auf zunehmende Impflücken bei Kleinkindern und Jugendlichen hingewiesen: Auch in Österreich besteht also noch Verbesserungspotenzial.

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