Der 120-jährige Wissensschatz des DAAB

Er ist die älteste Patientenorganisation Deutschlands: Der Deutsche Allergie- und Asthmabund e.V. (DAAB) feiert in diesem Jahr sein 120-jähriges Bestehen. Im täglich gelebten Dialog mit Menschen, die unter Allergien und deren Folgen leiden, ist ein gewaltiger Wissensschatz entstanden. Davon profitieren nicht nur die Patienten.

Die Bundesgeschäftsführerin des DAAB: Andrea Wallrafen. (© DAAB)

Das Heufieber ist eine allergische Reaktion, die durch den Blütenstaub von Bäumen, Sträuchern, Gräsern, Getreide und Kräutern ausgelöst wird – das ist uns heute bekannt. Doch bis weit ins 19. Jahrhundert wurde die Erkrankung vielfach als psychisches Leiden eingestuft. Otto Schultz, ein Weinhändler aus Hannover war einer von den Betroffenen jener Zeit. Weil damals ein Klimawechsel in Seeregionen oder das Hochgebirge als erfolgreichste Behandlung galt, machte er sich im Jahre 1894 auf nach Helgoland. Und tatsächlich: Dort – fernab vom Festland – fand er endlich Linderung. Begeistert von dem Erfolg der „Therapie“ hob er drei Jahre später (1897) den „Heufieberbund von Helgoland“ aus der Taufe, um die Erkrankung genauer zu erforschen, darüber aufzuklären, Spenden zu sammeln und sich mit Leidensgenossen auszutauschen.

120 Jahre ist das nun her – und der Heufieberbund existiert noch immer; inzwischen allerdings unter dem Namen „Deutscher Allergie und Asthmabund e.V.“ (DAAB). Heute ist er vermutlich wichtiger denn je. Denn: Allergien wie das Heufieber sind auf dem Vormarsch. Inzwischen leidet circa jeder Dritte in Deutschland unter ihnen, aber nur noch zehn Prozent werden adäquat behandelt. Während die Zahl an Patienten steigt, nimmt die Versorgung ab. Gerade einmal 1,5 Prozent der deutschen Ärzte verfügen heute über eine allergologische Zusatzausbildung. Das kann für Betroffene unangenehme Folgen haben: Fast jeder zweite unbehandelte Heuschnupfen entwickelt sich zu einem chronischen Asthma.

„Die Bundesregierung ist hier gefordert“, mahnt der DAAB. Er ist die Stimme für die 25 Millionen Menschen, die in Deutschland von Allergien, Asthma oder Neurodermitis betroffen sind. Daher macht er sich in Ausschüssen des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) dafür stark, dass den Patienten der Zugang zu möglichst vielen Therapieoptionen erhalten bleibt. Im Rahmen der Aktion „Vergiss mein nicht“ sammelte der DAAB über 35.000 Unterschriften und übergab sie symbolisch dem Bundesgesundheitsministerium – mit dem Appell Allergien, Asthma und Neurodermitis in den Fokus der Gesundheits- und Verbraucherpolitik zu stellen.

Den Wissensschatz heben

„Das Besondere und Einzigartige am DAAB ist sein Fundus an Wissen und Erfahrung“, erklärt Bundesgeschäftsführerin Andrea Wallrafen. Das liegt nicht nur an seiner langen Geschichte, sondern auch an den rund 100.000 Menschen, die sich inzwischen im Bund engagieren. „Wir können die Probleme der Betroffenen ganzheitlich angehen, da wir in unserem Beratungsteam Experten unterschiedlicher Fachrichtungen haben.“ Der DAAB hat sie alle gut miteinander vernetzt – und seinen Wissensschatz dadurch vergrößert. „Wir arbeiten mit europäischen Patienten- und Ärzteverbänden zusammen, wir sind Teil von nationalen und internationalen Forschungsprojekten und auch in angrenzenden Arbeitsfeldern – von der Lebensmittel- bis zur Pflanzenkunde vernetzt.“ So profitieren nicht nur die Patienten von der Expertise des DAAB: Seit Ende der 90er Jahre unterstützt die Organisation z. B. Unternehmen bei der Entwicklung allergenarmer Produkte. Inzwischen gibt es zahlreiche Waschmittel und Hautpflegeprodukte ohne allergisierende Duft-, Konservierungs- und Farbstoffe – gekennzeichnet mit dem DAAB-Logo. „Das macht es für Kinder und Erwachsene einfacher, ihren Alltag mit Allergien und Asthma zu bewältigen“, so Wallrafen. Seit 2015 ist der DAAB außerdem als externer Berater der europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA aktiv. Politisches Engagement, Vernetzung und vielfältige Beratungsleistungen; hinzu kommen Fortbildungsangebote, Studien und Umfragen z. B. zum Umgang mit Asthma sowie gezielte Projekt- und Aufklärungsarbeit – das Portfolio des DAAB ist breit gefächert. Sein 120 Jahre alter Wissensschatz – er liegt nicht vergraben. Die Mitarbeiter des DAAB haben ihn geborgen, vergrößern ihn und nutzen ihn im Sinne der Patienten und Mitglieder.

Top
Zurück