Der „Pieks“ mit doppelter Wirkung

Über die Bedeutung des Impfens und über die Hürden, die für niedrige Impfraten verantwortlich sind, sprachen wir mit Dr. Barbara Keck, Geschäftsführerin der BAGSO Service Gesellschaft (Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen).

Fordert verständlichere Gesundheitsinformationen:
Dr. Barbara Keck, BAGSO © BAGSO

PatientenBrief: Welche Bedeutung hat ein umfassender Impfschutz, insbesondere für Senioren?

Unsere Gesundheit ist unser höchstes Gut. Eine Impfung kann helfen, Erkrankungen und deren Folgen wirksam vorzubeugen. Dieser Schutz hilft, gesund zu bleiben. Das ist für Kleinkinder wichtig, weil ihr Immunsystem noch nicht ausgereift ist. Außerdem sind Impfungen für Menschen mit chronischen Erkrankungen von großer Bedeutung. Ein umfassender Impfschutz ist aber auch für gesunde ältere Menschen wichtig, weil ab 60 Jahren das Immunsystem langsam nachlässt und bestimmte Infektionskrankheiten leichteres Spiel haben. Wer sich impfen lässt, schützt aber nicht nur sich selbst, sondern auch andere Menschen. Geimpfte tragen Antikörper gegen bestimmte Erreger im Blut. So ist die Person selbst vor der Erkrankung geschützt. Zusätzlich sinkt auch das Risiko, die Erkrankung an andere Menschen zu übertragen. Also ein „Pieks“ mit doppelter Wirkung sozusagen.

PatientenBrief: Eine geringe Risikowahrnehmung der Zielgruppe 60+ und Skepsis gegenüber der Impfung gelten als Hauptursachen für geringe Impfraten. Wie ließe sich das am besten angehen?

Die BAGSO setzt sich unter anderem für ein gesundes Altern und eine hochwertige gesundheitliche Versorgung älterer Menschen ein. Dies kann nur gelingen, wenn die Menschen auch mit guten Gesundheits-Informationen versorgt werden. Dabei ist es wichtig, den Nutzen von Impfungen genauso aufzugreifen wie die Ängste und Bedenken der Menschen. Wir möchten Patientinnen und Patienten stärken, sich zu informieren und ihre Gesundheit ein Stück weit selbst in die Hand zu nehmen. Dazu setzen wir auf eine umfassende Aufklärung. Positive Errungenschaften und die Wirkung von Impfungen zu erklären ist sehr wichtig, aber auch mögliche Nebenwirkungen gehören dazu. Sicherlich ist es auch hilfreich, gute Fürsprecher zu gewinnen. Sie können mit positiven Botschaften in den Medien Menschen dazu ermutigen, sich über Impfungen zu informieren und sich impfen zu lassen.

PatientenBrief: Das RKI veröffentlicht jährlich den Impfstatus der deutschen Bevölkerung. Im Zeitraum von 2008 / 2009 bis 2014 / 2015 zeigt sich dabei ein Absinken der Grippe-Impfquoten um fast 10 Prozent-Punkte. Nur noch 1/3 aller Senioren sind demzufolge gegen die saisonale Grippe geimpft. Wie bewerten Sie diese Entwicklung? Und welche Erwartungen hat die BAGSO an die Entscheider aus Politik und Krankenkassen, um diesem Trend entgegenzuwirken?

Wir stellen nach wie vor fest, dass viele Gesundheitsinformationen die Zielgruppen nicht erreichen. Das hat viele Ursachen: zu lange, schwer verständliche Texte mit vielen Fremdwörtern sind nicht sehr motivierend. Die Informationen müssen mehr die Bedürfnisse und Gefühle der Menschen aufgreifen, die sie erreichen sollen. Eine zu kleine Schrift oder schlechte Kontraste erschweren den Wissenszugang zusätzlich. Außerdem müssen Entscheider und Kostenträger besser vernetzt arbeiten. Patienten-Organisationen und Interessenvertretungen sollten bei diesem Thema einbezogen werden.

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