Impfen 60plus

Ältere Menschen erkranken leichter an Infektionen. Ihr Immunsystem ist schwächer als noch in jungen Jahren und sie sind anfällig für besonders schwerwiegende Krankheitsverläufe. Impfungen können sie davor schützen – doch zu wenige Senioren machen von ihnen Gebrauch. In Thüringen läuft daher seit Ende September die Informationskampagne „impfen60+“. Das Ziel: Die Impfquoten mittels Aufklärung erhöhen.

Zu viele Senioren versäumen die Impfvorsorge. (© Maya Kruchancova – fotolia)

Über 70.000 Menschen sterben jährlich in Deutschland an einer Sepsis (Blutvergiftung). Diejenigen, die überleben, haben allzu oft mit schweren Langzeitfolgen zu kämpfen. „Drei von vier Sepsis-Patienten, die in Thüringer Krankenhäusern behandelt werden, sind über 60. Die Sepsisanfälligkeit und -sterblichkeit steigt mit zunehmendem Alter drastisch an […]“, erzählt Prof. Konrad Reinhart vom Uniklinikum Jena. Eine der Hauptursachen für eine Sepsis ist eine Lungenentzündung – meistens ausgelöst durch Pneumokokken oder Grippeviren. Treten beide Erreger gemeinsam auf, liegt die Sepsissterblichkeit in der Altersgruppe 60+ bei etwa 50 Prozent.

Impfungen können vor dieser Gefahr schützen. Darauf weist auch eine schwedische Studie mit rund 250.000 Teilnehmern ab 65 Jahren hin: Hier lag die Zahl der Krankenhausaufenthalte aufgrund einer Lungenentzündung bei Menschen mit Grippe-und Pneumokokken-Impfung um 30 Prozent niedriger als bei jenen ohne Impfung. Die Einlieferungen ins Krankenhaus wegen Grippe waren sogar um mehr als ein Drittel reduziert.

Zu niedrige Impfquoten

Bei den Senioren sind die Impfquoten für beide Erreger jedoch hierzulande sehr niedrig. So war laut des Robert Koch-Instituts (RKI) in der Saison 2014/2015 nur knapp über ein Drittel (36,7 %) der Altersgruppe 60+ gegen Influenza geimpft. Da liegt das Bundesland Thüringen mit seinen 48,7 Prozent sogar noch über dem Durchschnitt. Dessen Gesundheitsministerin Heike Werner meint: „In Thüringen stehen wir im Ländervergleich der Impfquoten noch ganz gut da, allerdings sinkt auch bei uns die Impfbereitschaft.“

Um dem entgegen zu steuern, haben die Universität Erfurt, das Uniklinikum Jena und das RKI gemeinsam mit einem Designbüro die Informationskampagne „impfen60+“ ins Leben gerufen. Mit auf ältere Menschen zugeschnittenen Kommunikationsmaßnahmen möchten die Verantwortlichen nicht nur den Rückgang der Impfquoten in Thüringen stoppen, sondern im besten Fall die Zahl der Impfungen – primär gegen Pneumokokken und Grippe – erhöhen.

Thüringen impft

Dazu hatte die Uni Erfurt eine repräsentative Umfrage unter älteren Menschen in Thüringen durchgeführt. Ziel war es herauszufinden, was die Altersgruppe über das Impfen denkt – und wie man sie mit einer Kampagne am besten erreichen kann. Seit Oktober liegen nun in Arztpraxen, Apotheken, Krankenkassen und weiteren Einrichtungen wissenschaftlich fundierte Informationsmaterialien aus. Auch auf dem neuen Online-Portal „Thüringen impft“ des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie sind Fakten rund um das Impfen für Senioren (und andere Altersgruppen) zu finden. Gefördert wird „impfen60+“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung als Teil des Programms InfectControl 2020, in dem Strategien zur Bekämpfung von Infektionen entwickelt werden.

Das besondere an der Thüringer Kampagne: Sie klärt nicht nur über Impfungen an sich auf, sondern auch konkret über den Zusammenhang von Influenzaviren bzw. Pneumokokken und einer Blutvergiftung. Prof. Horst C. Vollmar vom Uniklinikum Jena betont, wie wichtig die Aufklärung gerade in einer alternden Gesellschaft ist: „Wir begleiten die Kampagne impfen60+ mit einer gesundheitsökonomischen Bewertung, um zu untersuchen, inwieweit Impfungen das Gesundheitssystem entlasten können.“ Die Kampagne läuft noch bis September 2019.

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