GSK-Patientendialog: Licht ins Dunkel bringen

An Regulierungsinstrumenten bei der Versorgung von Patienten mit Arzneimitteln herrscht im deutschen Gesundheitswesen kein Mangel. Es gibt sie auf bundesweiter und auf regionaler Ebene – und sie sorgen für regional höchst unterschiedliche Behandlungsstandards. Auch unter Patienten-Organisationen ist das ein heiß diskutiertes Thema: Wie jedes Jahr im Herbst hatte GlaxoSmithKline (GSK) zum Patientendialog geladen.

Dass die Versorgung mit Arzneimitteln ein Aufreger-Thema sein kann, das wissen viele Patienten-Organisationen, wenn sie für ihre Mitglieder Hotlines unterhalten. In den Geschäftsstellen sind oft Klagen zu hören; etwa, weil Patienten urplötzlich ihre gewohnte Medikation nicht mehr erhalten, weil sie bestimmte Medikamente bekommen, obwohl es bessere gibt oder weil sie zuzahlen müssen. So erzählte Dr. Thorsten Freikamp, Geschäftsführer des Bundesverbandes für Osteoporose (BfO – ein Porträt der Organisation lesen Sie hier): „Meine Mitglieder erhalten durch die Bank weg eine Versorgung mit Bisphosphonaten, die bei vielen älteren Personen aufgrund des komplizierten Einnahmeschemas nicht mehr verordnet werden sollten. Eine Differenzierung der Patienten findet seitens der Ärzte in den seltensten Fällen statt.“ Das führe dazu, dass in Deutschland nur 20 Prozent der Osteoporose-Patienten adäquat diagnostiziert und behandelt würden. In Spanien sind es 85 Prozent.

Das Thema des diesjährigen GSK-Patientendialoges war also richtig gesetzt: „Arzneimittelversorgung vom Patienten gedacht – was sind die ‚richtigen‘ Auswahlkriterien für eine gute Patientenversorgung?“ In Berlin trafen sich dazu im November Vertreter verschiedener Patienten-Verbände wie von dem Kindernetzwerk, dem Bundesverband der Lebertransplantierten, Vertreter der Deutschen Schmerzliga, des Blinden- und Sehbehindertenverbandes sowie des Deutschen Diabetikerbundes.

 Der GSK-Patientendialog 2017: viel Raum für Diskussionen. (© GSK)

Ein Flickenteppich der Arzneimittelversorgung

Von GSK-Seite zeigten Dr. Robert Welte, Leiter der Gesundheitsökonomie, und Nadine Stryewski, Managerin Regional Market Access, auf, wie die Steuerung der Arzneimittelversorgung auf nationaler und auf regionaler Ebene funktioniert – oder eben nicht. So kann es passieren, dass Regelungen, die auf bundesweiter Ebene getroffen werden – etwa über die Bewertung des (Zusatz-)Nutzens eines Arzneimittels –, auf regionaler Ebene durch Verordnungsbeschränkungen und Ampelsysteme wieder ausgehebelt werden. Und weil auch unser Gesundheitssystem föderal aufgestellt ist – es gibt 17 so genannte KV-Regionen – kann es passieren, dass in der einen Region so, in der nächsten aber anders entschieden wird. Stryewski nennt das einen „Flickenteppich regionaler Versorgung“. Dann entscheidet der Wohnort über die Frage, welches Arzneimittel ein Patient bekommt und welches nicht. Medizinisch lässt sich das in der Regel nicht begründen.

Das ist Gesundheitspolitik, die Auswirkungen auf den Patienten hat oder – um es in den Worten von Ilka Einfeldt, Leiterin Patient Relations bei GSK, auszudrücken – die „ungebremst auf den Patienten einwirkt.“ Ein Beispiel dafür zeigte in Berlin Hans-Detlev Kunz, der Geschäftsführer des Deutschen Psoriasis Bundes ist. Gegen die Stimmen von Patientenvertretung, Ärzteschaft und Krankenhäusern hatte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) einen einheitlichen Festbetrag aller Medikamente mit Methotrexat (MTX) beschlossen. Das Arzneimittel gibt es als Fertigspritze oder Fertig-PEN. Applikationen per PEN sind produktionsbedingt teurer, was aber im System eines einheitlichen Festbetrages nicht vorgesehen ist. Doch Menschen mit Psoriasis-Arthritis können aufgrund ihrer versteiften Fingergelenke weder eine Spritze aufziehen noch selber applizieren. Ihnen bleibt als einzige Möglichkeit der PEN, wenn sie nicht dauerhaft auf fremde Hilfe angewiesen sein sollen. Sie müssten nach der Entscheidung des G-BA eigentlich eine Zuzahlung leisten, wenn sie PEN statt Fertigspritze wollen. Dass sie das nicht müssen, liegt an dem Pharmaunternehmen, das seine Preise entsprechend der Festbetragsregelung abgesenkt hat, obwohl das nach eigenen Angaben nun nicht mehr wirtschaftlich ist. Die Festbetragsregelung zur MTX-Versorgung chronisch kranker Menschen ist eine Entscheidung, die den Versorgungsbedürfnissen von Patienten zuwiderläuft.

Das Beispiel zeigt, wie wichtig solche Dialog-Veranstaltungen sind: Nur, wenn Transparenz hergestellt wird, können solche Missstände auch öffentlich thematisiert werden. Denn auch in einem der besten Gesundheitssysteme der Welt besteht Reformbedarf – und sollte Sparen nicht zum Selbstzweck werden.

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